„Worin unsere Stärke besteht. 50 Künstlerinnen aus der DDR“

Kunstraum Kreuzberg, Berlin, 02.09.2022 bis 30.10.2022 Curator: Andrea Pichl Curatorial Assistance: Sylvia Sadzinsky Press: Lena Johanna Reisner (english below)

Künstlerinnen/ Artists:

Tina Bara / Ina Bierstedt / Antje Blumenstein / Peggy Buth / Nadja Buttendorf
Yvon Chabrowski / Annedore Dietze / Else Gabriel / Katrin Glanz / Henriette Grahnert
Jana Gunstheimer / Sabine Herrmann / Elke Hopfe / Margret Hoppe / Beate Hornig
Uta Hünniger/ Lisa Junghanß / Christina Kral / Betina Kuntzsch / Ulrike Kuschel
Alex Lebus / Ingeborg Lockemann / Wiebke Loeper / Jana Müller / Ulrike Mundt
Henrike Nauman+Susanne Rische / Helga Paris / Andrea Pichl / Katja Pudor Franziska Reinbothe / Inken Reinert / Sabine Reinfeld / Sophie Reinhold Ricarda Roggan / Jenny Rosemeyer / Christine Schlegel / Luise Schröder / Wenke Seemann Gabriele Stötzer / Erika Stürmer-Alex / Anett Stuth / Ulrike Theusner Manuela Warstat / Suse Weber / Saskia Wendland / Kristin Wenzel / Eva-Maria Wilde
Karla Woisnitza/Ingartan / Ruth Wolf-Rehfeldt / Künstlerinnengruppe Erfurt

Die von der Künstlerin Andrea Pichl kuratierte Ausstellung Worin unsere Stärke besteht zeigt Arbeiten von fünfzig Künstlerinnen aus drei Generationen aus der DDR. In unterschiedlichen Genres setzen sich die Künstlerinnen mit vielschichtigen Themen auseinander. Einige waren bereits zu DDR-Zeiten aktiv. Die Ausstellung widmet sich jedoch nicht einem Narrativ der DDR oder einer Historisierung von Kunst aus der DDR, sondern Biografien und der Frage, wie thematische Zugänge durch diese geprägt sind. Vereinzelt sind Werke vertreten, die bereits in der DDR entstanden. Die Ausstellung geht unbedingt davon aus, dass es grundsätzlich eine Rolle spielt, woher man kommt. Wie Biografien verlaufen prägt Inhalte und strukturelle Zugänge. Dabei ist jedoch weder eine Kategorisierung oder gar Reduzierung auf vermeintlich erkennbare Ästhetiken oder Themen möglich. So wie die Herkunft aus der DDR wesentlich von Belang ist, ist sie gleichzeitig, obgleich nicht immer im Werk offenkundig sichtbar, auch Voraussetzung für Substanz, Kraft und Relevanz im zeitgenössischen Kontext! Die Ausstellung versteht sich auch als ein Gegenentwurf zu bisherigen, weit rezipierten Ausstellungen der letzten Jahre, die sich der Kunst und den Künstlerinnen aus der DDR widmeten. In diesen Überblicksausstellungen waren Künstlerinnen beispielsweise lediglich zu 14 Prozent (Museum der Bildenden Künste Leipzig, 2019) und zu 19 Prozent (Gropius Bau, 2016) vertreten. Im Kunstpalast Düsseldorf 2019/2020 waren es immerhin drei der 13 Künstlerinnen – eine Quote von 23 Prozent. Die Werke von Künstlerinnen aus der DDR tauchen in zeitgenössischen Ausstellungen weiterhin selten auf. Das Problem innerdeutscher Diskriminierung, das mit einer westdeutschen, kulturellen Hegemonie einhergeht, wird jedoch selten thematisiert. Meistens wird es ignoriert. Dabei zeigt sich im vergleichenden Blick auch auf andere deutsch-deutsche Strukturen sehr schnell, wie Ausschlüsse gerade für Frauen in Kultur- und Kunstinstitutionen greifen und welches Gefälle im Hinblick auf die Repräsentation von ost- und westdeutschen Kulturschaffenden herrscht. Aktuell gibt es beispielsweise nur zwei Museumsbzw. Stiftungsdirektorinnen in Deutschland, die aus der DDR kommen. Angelika Richter die erste Hochschulrektorin aus der DDR, ist seit Juni 2021 in diesem Amt an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Aufgrund offenkundiger Missstände zeigt die Ausstellung Worin unsere Stärke besteht fünfzig mit unterschiedlichen Medien arbeitende Künstlerinnen aus der DDR aus drei Generationen. Die Ausstellung wird duch ein Rahmenprogramm und eine Textsammlung begleitet.

Die Ausstellung wird ergänzt durch ein wöchentliches Programm mit Beiträgen von Else Gabriel, Annekatrin Hendel, Jana Hensel, Therese Koppe, Katja Lange-Müller, Bibiana Malay und Grit Diaz de Arce, Andrea Pichl, Adama Ulrich und Katharina Warda.

Essays von Kuratorinnen, Kunsthistorikerinnen und Künstlerinnen aus der DDR werden in einer Textsammlung wiederveröffentlicht und kontextualisieren die Ausstellung: Dr. Angelika Richter, Dr. Hiltrud Ebert, Elske Rosenfeld, Charlotte Misselwitz, Prof. Else Gabriel und Suse Weber.

[English]

The exhibition Worin unsere Stärke besteht (“Where our strength lies”), curated by artist Andrea Pichl, shows the work of fifty women artists from three different generations who were born in the GDR (German Democratic Republic). Working with different media and diverse genres, the artists investigate complex themes, producing works that defy categorisation, and that cannot be reduced to a single aesthetic or subject. Some of the artists were already active during the GDR period. The exhibition does not address any narrative relating to the GDR, nor does it historicise art from the GDR. Rather, it opens out to artists’ biographies, approaching the question of how lived experience influences artistic thematic preoccupations. A small number of the works exhibited were produced during the GDR period. The exhibition is complemented by a weekly program with contributions by Else Gabriel, Annekatrin Hendel, Jana Hensel, Therese Koppe, Katja Lange-Müller, Bibiana Malay and Grit Diaz de Arce, Andrea Pichl, Adama Ulrich and Katharina Warda.

Essays by curators, art historians, and artists from the GDR are republished in a text collection and contextualise the exhibition: Angelika Richter, Hiltrud Ebert, Elske Rosenfeld, Charlotte Misselwitz, Else Gabriel and Suse Weber.

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